von Guido Jansen - Aachener Nachrichten 21.02.2015

HÜRTGENWALD. In Aachen war heute vor 70 Jahren wieder Frieden. Oder das, was man Frieden nennen kann, wenn die Kämpfe um die erste befreite deutsche Stadt im Zweiten Weltkrieg knapp vier Monate zurückliegen. Die Aachener Nachrichten waren am 24. Januar 1945 als erste deutsche Zeitung erschienen, als eine Art Botin auf dem Weg zurück in eine Nachkriegs-Normalität.

Über die Rur und raus aus dem Kampfgebiet Hürtgenwald: Am 25. Februar begannen die Amerikaner bei Düren mit dem Brückenbau. Foto: Stadt- und Kreisarchiv Düren/ Nationalarchiv Washington

Im Hürtgenwald froren, schossen, bluteten und starben immer noch deutsche und amerikanische Soldaten. Das lange Leiden und Sterben vieler Tausend Menschen endete im Hürtgenwald erst nach dem 23. Februar, als die US-Truppen zwischen Düren und Linnich erstmals den Sprung über die Rur schafften und den Streifen Nordeifel, in dem sie fast sechs Monate festgesteckt hatten, innerhalb einer Woche hinter sich lassen konnten.

„Das hat von September bis Ende Februar gedauert. Genau das macht die Dimension der Kämpfe im Hürtgenwald aus“, sagt Christoph Rass, Historiker an der Universität Osnabrück. „An keiner anderen Stelle ist im Zweiten Weltkrieg auf so kleiner Fläche so lange gekämpft worden“, sagt Rass weiter, der früher an der RWTH Aachen geforscht hat. Die Fläche, auf der fast sechs Monate lang Gefechte stattfanden, ist größer als die heutige Gemeinde Hürtgenwald. Sie umfasste Roetgen, Simmerath, Monschau, Heimbach, Eschweiler, Stolberg, Langerwehe, Nideggen, Kreuzau, Düren und Hürtgenwald – ein kleines Gebiet für einen großen Krieg.

Mythologisch überhöht

So lauten die Fakten, die heute als gesichert gelten. Viele andere Aussagen über die Kämpfe im Hürtgenwald müssen entweder immer noch revidiert oder erst noch gemacht werden. Eine exakte Untersuchung gibt es nicht, wie viele Menschen wirklich gestorben sind. Das Ergebnis würde wohl lauten, dass es zu viele waren, aber weniger, als die durch Legenden überhöhte Zahl von fast 70.000.

Nüchtern und verkürzt kann festgehalten werden, dass der überraschend schnelle Vorstoß der US-Truppen innerhalb von drei Monaten von der Normandie bis in die Aachener Gegend steckenblieb, weil die Nachschubwege in der Kürze der Zeit nicht aufgebaut werden konnten. Der deutsche Widerstand wurde plötzlich stark, Hitlers Haltebefehl, bis zur letzten Patrone zu kämpfen, war ein Grund. Dann die Landschaft selbst, unwegsam, hügelig und damals bis zu minus 20 Grad kalt. „Man kann sagen, dass die Front hier eingefroren ist“, erklärt Rass. Auch, weil Hitler zur Ardennenoffensive ausholte, die im Dezember und Januar dafür sorgte, dass die Amerikaner sich auf das Verteidigen bereits eroberter Gebiete verlegen mussten.

Die schweren Luftangriffe vom 16. November auf Düren und Jülich hatten ihren taktischen Zweck nicht erfüllt. Die britische Luftwaffe sollte den Weg in Richtung Köln frei bomben. Zwei der reichsten Städte waren völlig zerstört, passiert worden sind sie erst mehr als drei Monate später. „Genutzt hat das Bombardement nichts, weil die Amerikaner im Hürtgenwald feststeckten“, sagt Rass.

Die US-Kriegsgeschichtsschreibung hat ihren Teil zum blutigen Mythos des Hürtgenwalds beigetragen. Die US-Truppen legten großen Wert darauf, den Menschen in der Heimat mitzuteilen, was an der Front passierte. Deswegen war der spätere Literatur-Nobelpreisträger Ernest Hemingway im November in den Hürtgenwald gekommen. Viel geschrieben hat er damals nicht. Anfang Dezember wurde Hemingway krank und nach Paris verlegt. Später ließ er den Weltkriegsveteranen Richard Cantwell in seinem Roman „Über den Fluss und die Wälder“ sagen: „Wir bekamen eine gewisse Menge Ersatz, aber ich kann mich besinnen, dass ich dachte, es würde einfacher und zweckdienlicher sein, sie in der Gegend, wo man sie auslud, zu erschießen, als den Versuch machen zu müssen, sie von dort, wo sie getötet wurden, zurückzuschaffen und zu begraben.“

Während der Hürtgenwald-Kämpfe begegnete Hemingway vermutlich Jerome David Salinger. Und vermutlich schrieb Salinger in dieser Zeit die ersten Kapitel seines großen Romans „Der Fänger im Roggen“.

68.000 Opfer; diese Zahl steht auf der Eingangstüre der Pfarrkirche St. Josef Vossenack. Sie wurde oft als Zahl der Gefallenen im Hürtgenwald verstanden. Vermutlich war sie weniger als halb so groß. Die Amerikaner wollten Hitler besiegen, aber nicht wie Russen Rache üben für einen von den Deutschen begonnen Vernichtungskrieg. Dabei ist der Hürtgenwald zum Trauma geworden, weil die US-Erfolgsgeschichte des schnellen Vormarschs zur Katastrophe wurde. Die Soldaten, die im Februar den Hürtgenwald überwanden, fanden viele tote, nicht bestattete Kameraden. Noch heute gelten Hunderte als vermisst.

Viele fanden ihr Ende in und um Schmidt, wo das letzte große Gefecht stattfand. Anfang Februar griffen die US-Truppen den Ort zum insgesamt dritten Mal an, am 8. Februar war Schmidt gesichert, einen Tag später waren auch die Urfttalsperre und die Talsperre Schwammenauel in amerikanischer Hand. Kurz vorher hatten die Deutschen beide Überläufe noch sabotiert. Aus der Rur wurde mit dem Tauwetter, das die großen Schneemassen schnell schmelzen ließ, und wegen der Sabotage an Rursee und Urftseeeine unpassierbare Barriere. „Da waren die Amerikaner ein letztes Mal Opfer der Natur“, sagt der Autor und Filmer Achim Konejung.

Zwei Wochen dauerte es, bis die Rur sich beruhigte hatte. Am 23. und 24. Februar 1945 gelang ersten Einheiten der Sprung auf die rettende Uferseite, zwischen Düren und Linnich. Die Amerikaner wandten sich nach Süden, um die letzten Nester des deutschen Widerstands unschädlich zu machen, die ihnen beim endgültigen Queren der Rur gefährlich werden konnten. Bis zum 28. Februar hatten sie erst Kreuzau und dann Nideggen eingenommen, die Gefechte um Wollersheim und Flatten am 1. März waren die letzten, die heute dem Krieg im Hürtgenwald zugerechnet werden können.

Zehn Wochen bis zum Ende

Eine Woche später nahmen die US-Streitkräfte bei Remagen eine Eisenbahnbrücke über den Rhein. Andere Teile schwenkten nach Norden, wo die Rheinüberquerung nach dem schweren Bombardement von Wesel Ende März gelang. Von Remagen und Wesel aus konnten die Alliierten Anfang April das Ruhrgebiet einkesseln. Drei Wochen später endete die letzte große Schlacht im Westen. Noch einmal drei Wochen später, am 8. Mai – aus Sicht vieler amerikanischer Soldaten nach drei Monaten von der Normandie bis in den Aachener Raum, sechs Monaten Hürtgenwald und zehn weiteren Wochen – titelten die Aachener Nachrichten: „Der Krieg ist aus!“

Diese Internetseite durch Google übersetzen lassen

Aktuelle Freifunk Benutzer in Vossenack

0
3
15
2
0
0
4
0
24

Unser Dorf hat Zukunft

Unser Dorf hat Zukunft

Vossenack

2017 ?  Kreisebene
gemeinsam mit
Simonskall und Raffelsbrand
2014 GOLD  Kreisebene
2013    BRONZE  Bundesebene
2012 GOLD  Landesebene
2011 GOLD  Kreisebene
2008 GOLD  Kreisebene
2006 BRONZE  Landesebene
2005 GOLD  Kreisebene
2002 SILBER  Kreisebene

Bis 1998 hieß der Wettbewerb
Unser Dorf soll schöner werden
Vossenack erhielt hierbei auf
Kreisebene 1 x Gold, 5 x Silber,
3 x Bronze
Landesebene 1 x Gold
Bundesebene 1 x Silber

Copyright © 2017 Vossenack - Das Dorf mit Weitblick. Alle Rechte vorbehalten.