Dürener Zeitung, 24. 08. 2016

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Bemerkenswerte Frau wieder zum Leben erweckt In Ihrem Roman Notre Dame de Dada zeichnet Eva Weissweiler das Leben der Kunsthistorikerin Luise Straus-Ernst nach. Lesung in Simonskall. VON GUDRUN KLINKHAMMER Simonskall. „Das war hervorragend, sie haben einen Menschen wieder zum Leben erweckt", dankte Axel Buch nach einer fast zweistündigen Lesung der Autorin Eva Weissweiler. Axel Buch, Bürgermeister der Gemeinde Hürtgenwald, war wie die anderen 20 Besucher hingerissen. Die Kölner Autorin Eva Weissweiler hatte in Simonskall im Junkerhaus aus ihrem Werk „Notre Dame de Dada" gelesen. Ohne Pause zeichnete sie mit Worten das Leben von Luise Straus-Ernst nach. Die erste Ehefrau des bekannten Malers Max Ernst, Mutter seines einzigen Kindes Hans-Ulrich, genannt „Jimmy", erblickte 1893 in Köln das Licht der Welt und starb 1944 in Auschwitz im Konzentrationslager. Der Lebensweg dieser eigenwilligen, hochgebildeten, ständig suchenden und letztendlich doch unglücklichen Kunsthistorikerin und Journalistin ist filmreif. Religiös erzogen Aufgewachsen in einem hochherrschaftlichen Kölner Umfeld, in einer Wohnung mit neun Zimmern und viel Personal, wird die Jüdin Luise „Lou" Straus moderat religiös erzogen, offen für andere Weltanschauungen. Eigen war ihr von Kindesbeinen an die Angst vor Fremden, vor Uniformiert( ten, vor Hunden und vor Vögeln. Als junge Frau studierte sie Kunstgeschichte und lernte den Maler Max Ernst kennen. Gemeinsam fuhren sie mit dem Zug von Brühl bis Bonn zur Universität. Stieg niemand in das Abteil, in dem die beiden saßen, dann, so formuliert Eva Weissweiler „war die Strecke ein einziger Kuss von 20 Kilometern". Max Ernst stammt aus streng katholischem Haus, die beiden genießen eine unbeschwerte und glückliche Studentenzeit. Die Eltern billigten die Verbindung. Der Erste Weltkrieg veränderte alles, vor allem veränderte er den Menschen Max Ernst. Als Soldat kam er aus dem Krieg innerlich und äußerlich verletzt und traumatisiert zurück. Seine fröhliche Art und seine Unbekümmertheit waren verschwunden. Treffpunkt vieler Künstler Weissweiler zeigte per Diaprojektion die Heiratsanzeige von Max Ernst und Luise Straus-Ernst, die tatsächlich aussah wie eine Todesanzeige. Die gemeinsame Wohnung des Paares am Kaiser-Wilhelm-Ring in Köln wurde fortan zum Treffpunkt vieler Künstler und zum Dada-Zentrum. Kurze Zeit arbeitete Luise Straus-Ernst damals als stellvertretende Leiterin des Kölner WallrafRichartz-Museums, doch aufgrund ihres jüdischen Hintergrunds war sie den Posten schnell wieder los. Geld verdiente sie dann, indem sie Strümpfe verkaufte oder als Sekretärin arbeitete. 1920 kam Sohn Jimmy zur Welt. Eine schwere postnatale Depression sorgte für ein kompliziertes Mutter-KindVerhältnis. Auch Luise Straus-Ernst veränderte sich, sie versuchte eine gute Hausfrau zu sein, vernachlässigte ihre Talente und ging in die Breite. Eine zweite Schwangerschaft beendete sie mit einer Abtreibung. Max Ernst widmete sich währenddessen anderen Frauen, mit einem Ehepaar ging er nach Paris, um dort in einer Dreierbeziehung sein privates Glück zu suchen. 1926 wurde die Ehe von Max Ernst und seiner ersten Frau geschieden. Luise Straus-Ernst blieb zunächst in Köln und machte sich einen Namen als angesehene Kulturjournalistin. Eva Weissweiler: „Das Fremdwort-Brimbamborium ließ sie in ihren Texten weg." Stattdessen setzte sie auf Gefühl. Derart verlief auch ihr Privatleben, eine Liebesbeziehung jagte die nächste. In ihrem Buch „Nomadengut" legte sie ihre Erfahrungen nieder. Die Lage in Deutschland ließ sie den Entschluss fassen, an einem sonnigen Maisonntag nach Paris auszuwandern. Ihren damals 13-jährigen Sohn Jimmy, der als 18-Jähriger nach Amerika auswanderte, ließ sie bei den Großeltern zurück. 1933 - ein schicksalsschweres Jahr für die Autorin. Emigrantenleben Auch von ihrem einzigen Bruder musste sie Abschied nehmen. Dieser nimmt sich at einer Parkbank vor seinem Elters aus das Leben. Als homosexuell , jüdischer Epileptiker sah er für ein Leben keine Perspektive mehr. In Frankreich lebt Luise Straus-Ernst ein Emigrantenleben, ärmlich, in Emigrantenhotelzimmern und zwischenzeitlich in einem Frauenlager. Eine neue Liebe gibt ihr Aufschwung, doch am 28. April 1944 wird sie verhaftet, am 7. Juli 1944 im Konzentrationslager in Auschwitz von Nazis ermordet. Ob Luise und Max Ernst jemals in Simonskall waren, das sei historisch fraglich, sagt Eva Weissweiler. Fakt ist, dass die beiden in der Vulkaneifel gerne unterwegs waren und die Eifel sehr liebten. Auf jeden Fall hielten sie Kontakt zu den Mitgliedern der Kalltalgemeinschaft, die im Zweiten Weltkrieg im Junkerhaus in Simonskall Zuflucht suchten. Der Kalltalgemeinschaft waren renommierte Künstler angegliedert, allesamt Gegner des damaligen Naziregimes. Der Lesung folgte, was die Veranstalter sehr freute, auch Maf Räderscheidt mit Tochter Rosa. Maf Räderscheidt, selbst eine bekannte Malerin mit Wohnsitz in Schleiden an der Olef, ist die Enkelin von Anton Rädeischeidt und Marta Hegemann, die zur Kalltalgemeinschaft zählten. Ausrichter der Veranstaltung waren die „Lit. Eifel" und der Hürtgenwalder Verein „HöhenArt".

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